Brief an die Kritiker

Nach gut einem Jahr extremer Medienpräsenz durch Beiträge im Mainstream-Fernsehen, in nahezu allen relevanten Berliner Tageszeitungen und Radiosendern sowie durch Auftritte bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“, beim „Rat für nachhaltige Entwicklung“ und bei der didacta, erleben wir endlich eine ernstgemeinte Konfrontation, was den Sinn unseres Projektes angeht.
Man könnte es mit „Viel Feind’, viel Ehr’!“ abhaken. Aber wir haben nicht jahrelang Zeit, Energie und Geld investiert, um uns von unglaublich polemischen und unüberlegten Kommentaren verarschen zu lassen.

Beispielhaft dafür steht ein Kommentar zum Rapucation-Artikel auf der Spiegel-Webseite, der leider ziemlich schnell (aber aus gutem Grund) von den Verantwortlichen entfernt wurde. Sinngemäß hieß es da, dass HipHop und „artverwandter Mist“ zurück ins Ghetto gehöre. Der Rest einiger kritischen Stimmen sagt in etwa das gleiche aus, versteckt sich jedoch hinter theoretischem Wissenschaftler-Gequatsche.
Ich bin ein Rapper. Ich habe zwar durch mein Studium den ersten akademischen Grad erworben, aber seit meiner Zeit in der Uni liefere ich mir Diskussionen mit Schlipsträgern und Sesselpupern darüber, was Wissenschaft für einen Sinn hat, wenn sie nicht von der Bevölkerung verstanden wird. Ich habe den Eindruck, dass Wissenschaft vielfach nicht dem Fortschritt dienen soll, sondern dem eigenem Ego und der Abgrenzung der eigenen Elite von der sog. Unterschicht.

Es ist einfacher, sich mit einem Phänomen oberflächlich zu befassen und es scheiße zu finden, als seine Vorurteile kurz auszuklammern, Chancen zu entdecken und den Dialog zu suchen. Und das ist der Knackpunkt. Rapucation hat niemals, weder in der zugrundeliegenden wissenschaftlichen Arbeit, noch auf der Webseite, in Interviews oder in persönlichen Gesprächen mit Lehrkräften behauptet, Rapucation-Songs sollten konventionelle Unterrichtsmethoden ablösen oder seien grundsätzlich besser als diese.

Wir haben mit unserer Studie bewiesen, dass Rapucation-Songs Fakten und Zusammenhänge leicht merkbar oder verständlich machen können. Wir sind uns natürlich auch bewusst, dass das Faktenlernen nicht immer die beste Methode ist, Wissen zu erlangen. Nur leider kollidiert hier die Theorie mit der Praxis. Faktenlernen ist ein Bestandteil des Unterrichts. Wir haben diesen Umstand nicht erfunden und heißen ihn auch nicht unbedingt gut. Das, was wir in unserer Funktion als Musiker leisten können, ist, dieser Situation Rechnung zu tragen und sie gegebenenfalls zu erleichtern.

Und es geht um viel mehr. Wörter wie „Spaßschule“ (im negativen Sinne) und „Zirkus“ werden laut. Wer von euch hochintelligenten Kritikern hat Schulen in Berliner Brennpunkt-Bezirken besucht? Glaubt mir, es hat nichts mehr mit Spaß oder Zirkus zu tun, wenn Kinder und Lehrkräfte nicht mal den Hauch einer Schnittmenge haben, was das Miteinander angeht. Bei den Kindern, bei denen das Wort „bildungsfern“ schon eine Verharmlosung darstellt, könnt ihr mit euren Theorien rein gar nichts mehr ausrichten.

Es geht um Vielfalt und darum, neue Anreize zu erschaffen. Wir versuchen, eine Brücke zu bauen zwischen dem Freizeitverhalten der Kinder und dem alltäglichen Schulwahn, der oft nichts mit der Realität der Kinder anzufangen weiß. Eine Brücke zwischen Kindern, Rappern, Lehrkräften und Eltern.

Wer diesen Ansatz in Frage stellt, dem kann ich nicht mehr helfen. Die Elite macht es sich einfach und spaltet, spaltet, spaltet.

Schämt euch.