Mitte 2011 wurden wir von der Produktionsfirma nordisch angesprochen, ob wir für ein großangelegtes Theaterprojekt Songs produzieren und rappende Jugendlichen coachen könnten. Ziel war es, eine moderne Aufführung von „Romeo und Julia“ mit dem Sinfonieorchester Freiburg und Baden-Baden, 100 Tänzern, 100 schauspielenden Kindern, zwei erwachsenen Darstellern und acht rappenden jugendlichen Hauptdarstellern in Freiburg auf die Beine zu stellen.

Nachdem durch die Regisseurin Sigrun Fritsch die Entscheidung gefallen war, welche Teile des Originalstücks entweder getanzt, gespielt oder gerappt werden sollten, machten sich die jeweiligen Gewerke an die Arbeit. Das Sinfonieorchester probte Stücke aus Prokofjews „Romeo und Julia“-Ballett, professionielle Tänzer choreographierten Bewegungen auf diese Stücke und wir produzierten Rapversionen der vorher ausgesuchten Textteile.

Folge 8 Tanztraining (Nordisch)
Tanztraining

Wir schlugen mit den Texten für „Romeo feat. Julia“, wie das Projekt nun nach unserem Vorschlag genannt wurde, einen völlig neuen Weg ein: Wir übernahmen konsequent die klassischen Inhalte und übertrugen sie in aktuelle Rapflows, die wir je nach Stimmung variierten, von Poetry Slam bis Double Time.
Musikalisch orientierten wir uns an Prokofjews Musik. Wir benutzten beispielsweise die letzen Töne eines Orchester-Stücks, um sie für den darauffolgenden Rapsong zu loopen und als Basis für den einsetzenden Beat zu benutzen. Dadurch wollten wir einen Zusammenhang zwischen Orchester und den Rapbeats erreichen, was später sehr schön funktionierte.

Um Jugendliche zu finden, wurde ein deutschlandweiter Aufruf gestartet. Wir suchten nicht nur nach Raptalent aus, auch Ausstrahlung, tänzerische oder sonstige musikalische Fähigkeiten oder auch nur das gewisse Etwas spielten eine Rolle.

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Die acht rappenden Jugendlichen

Im Februar 2012 traf sich die Auswahl von acht Jugendlichen zum ersten Workshop. Sie bezogen eine gemeinsame WG, wobei sie über den gesamten Zeitraum von unserer pädagigischen Mitarbeiterin Gitanjali betreut wurden. Robin coachte die Jugendlichen über ein halbes Jahr in Sachen Rappen, Atemtechnik, Überwindung von Lampenfieber usw. und arbeitete dabei eng mit Sigrun Fritsch zusammen. Das ganze Stück sollte keine Collage verschiedener Genres werden, sondern etwas neues, eigenständiges. Dadurch waren alle Gewerke miteinander verzahnt und die acht Rapper lernten zusätzlich viel über Schauspielerei, Tanz, Bühnentechnik, Kostüme, Maske und sämtliche Berufe hinter den Kulissen.

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Die Aufführung

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Romeo und Julia

Nichtzuletzt lernten sie jede Menge über die Arbeit einer Produktionsfirma, da das gesamte Projekt dokumentarisch für den KiKA begleitet wurde. Dabei ist es uns wichtig zu erwähnen, dass hier zu keinem Zeitpunkt etwas initiiert wurde, um womöglich Quote zu machen.

Janina im Interview (Nordisch Filmproduction)
Eine der Darstellerinnen im Interview

Natürlich lief bei einem so großen Projekt nicht alles glatt, was ihr in der 20-teiligen Doku nachverfolgen könnt. Doch waren wir immer sicher, dass die Generalprobe und die beiden geplanten Aufführungen ein voller Erfolg werden würden. Und so kam es auch, die Badische Zeitung schrieb über das „Gesamtkunstwerk, das Heterogenes ganz selbstverständlich miteinander vereint“. Sicherlich hat dieses Projekt die allermeisten der über 300 Beteiligten positiv beeinflusst, uns eingeschlossen.

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Die Mitwirkenden

Wir sind stolz darauf, bei „Romeo feat. Julia“ eine wesentliche Rolle gespielt zu haben und hoffen, in Zukunft ähnliche Projekte begleiten zu dürfen.

Lest hier alle Blogeinträge zu diesem Projekt.