Ein Musiktheaterstück mit 35 Freiburger Jugendlichen

Im Rahmen der Theatertage "hier & weg" entwickelte das Freiburger Aktionstheater PAN.OPTIKUM gemeinsam mit Rapucation das Musiktheaterstück "Zeit heilt alle Stunden". Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entstand in der beeindruckenden Kulisse einer alten Zollhalle ein Stück, in welchem 35 Jugendliche mit zwei erwachsenen Schauspielerinnen unter der Leitung der Regisseurin Sigrun Fritsch grundsätzliche Fragen zum Zusammenleben auf der Welt behandeln. In Bezug zur aktuellen Flüchtlingspolitik basierte die Inszenierung auf Richard Schuberths mediterraner Groteske "Frontex - Keiner kommt hier lebend rein".
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Die innovative Konstruktion aus drei Bühnen, bei der die Zuschauer teils selbst die Plätze wechseln mussten, teils mittels Bühnenpodesten "abgeschoben" wurden, fand ihren Höhepunkt in einem Zuschauerraum, der durch vier Projektionsflächen begrenzt war. Das Publikum wurde in eine Albtraumsequenz eingesperrt und sah sich hungrigen, menschenfressenden Gestalten ausgesetzt.
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Die Produktion der dazugehörigen Rapsongs übernahmen Robin Haefs und Vincent Stein von Rapucation. Themen wie Stadt, Hunger, Gewalt und Gegengewalt sowie die Sehnsucht nach einem Zuhause waren Bestandteil der Songs. Die 35 Jugendlichen spielten mit beeindruckendem Engagement unter der pädagogischen Leitung von Gintanjali Schmelcher vier Aufführungen vor ausverkauftem Haus.
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Brecht auf!

Im Vorfeld veranstaltete Rapucation unter dem Titel "Brecht auf!" Workshops mit 25 Jugendlichen. Es entstand ein Angebot, das 14- bis 18-jährigen Schülererinnen und Schülern durch Rap literarische Texte zugänglich machte. Dabei wurden Kompetenzen gefördert und das Selbstwertgefühl gestärkt.
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Das von uns benutzte Medium Hip Hop in Form von Rap und Tanz bildete die gemeinsame Basis. Wir nutzten Phänomene aus der Lebenswelt der Jugendlichen um sie an Schauspiel heranzuführen und ihre Fähigkeiten so in einen Gesamtkontext einzubetten. In mehreren pädagogisch betreuten Workshops wurden zunächst Grundlagen in Sachen Rap, Tanz und Schauspiel vermittelt mit dem Ziel, die verschiedenen Elemente zu kompletten Szenen zu vereinen. Dabei erfuhren die Jugendlichen, wie sie ihr Talent unter professioneller Anleitung entfalten können.
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Den Jugendlichen konnte laut eigener Aussage erstmals ein wichtiger literarischer Stoff wie Brechts "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" außerschulisch auf freiwilliger Basis nahegebracht werden. Besonders interessant war hierbei die Ausarbeitung zwischen Parallelen von Brechts Text und aktuellen Raptexten. Die Jugendlichen erfuhren konkret, dass die vermeintlich altmodischen Themen auch heute noch aktuell sind und konnten durch die Kunst verstehen, wie frühere und heutige Strukturen ineinandergreifen.
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Im Rahmen des Programms "tanz + theater machen stark" des Bundesverbandes Freier Theater
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