Rapucation missverstanden

Seit unserem Polylux-Beitrag, in dem wir als die Überstreber und das genaue Gegenteil von authentischen Rappern dargestellt wurden, sind wir bei Presseanfragen erstmal skeptisch. Wir versuchen vorher auszuloten, ob man uns in die Pfanne hauen will oder uns für irgendeinen Entertainment-Quatsch missbrauchen möchte.

Bei der Sendung „Südwild“ (BR) haben unsere Sensoren allerdings versagt. Die erste Mail hörte sich aber auch zu gut an: „Wir würden Sie gerne im Rahmen einer Talkrunde zum Thema Rap als Lehrmittel in unsere Sendung einladen. […] In der Gesprächsrunde mit unseren beiden Moderatoren sollen Chancen und Potenziale dieser Lehrmethode herausgearbeitet werden.“

Dass der Moderator überhaupt keine Ahnung hatte, als er mit mir per Videochat ein kurzes Interview führte und ich dabei als „Mad Marks“ untertitelt war, kann ich ja noch verkraften. Aber dass die Unfähigkeit der Redaktion, sich vorher über das Projekt zu informieren die Basis für den kompletten Sendungsteil „Rap als Lernmethode“ ausmachte, geht nicht klar.
Statt (wie per eMail vorher besprochen) Songs von uns einzuspielen, wurde ein eigener, völlig unkommentierter Rapucation-Test veranstaltet: Ein Volksmusik- und ein Techno-Duo trugen jeweils in einer Klasse ein Stück vor. Die mehr als volljährigen Schüler sollten sich die Fakten merken und danach einen Test schreiben. So weit, so gut. Wenn Rapucation Nachahmer in anderen Musikrichtungen findet, kann uns das nur recht sein. Aber nicht, wenn die Musik grottenschlecht ist, eine viel zu alte Zielgruppe gewählt wird und das ganze auch noch als Rapucation betitelt wird. Dann ist es auch nicht verwunderlich, dass auf den Test Aussagen folgten, die die Relevanz der Lernmethode mehr als in Frage stellen.

Warum werden wir mit dieser Klamauk-Scheiße in einen Topf geworfen? Dem Südwild-Team wird das Ergebnis ihres ach so lustigen Beitrags vorher klargewesen sein. Ihr habt in der Vorbereitung falsche Versprechungen gemacht und absichtlich das ganze ins Lächerliche gezogen. Ihr seid so weit weg von Journalismus wie Rapucation von eurer bescheuerten Nachahmung.

Hier kann man sich die Sendung antun, der Beitrag über neue Lernmethoden beginnt bei 28:18.