Autor: Rapucation

  • RfJ-Adventskalender (5): Die Texte

    RfJ-Adventskalender (5): Die Texte

    Für das Theaterprojekt Romeo feat. Julia schrieb Robin Haefs von Rapucation die Raplyrics, die die acht rappenden Jugendlichen auf der Bühne performen sollten. Am Ende dieses Beitrags findet ihr unsere Vorversion von „Rebellenpack“, die in der zweiten Folge der KiKa-Doku zu hören war.

    Für das Projekt fügte die Regisseurin Sigrun Fritsch nach einer Idee der Produktionsfirma nordisch Passagen aus Shakespeares Meisterwerk und Musikstücke aus Prokofjews gleichnamigem Ballett zusammen. Letztere wurden später vom Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg gespielt und von Tänzern der Dance Academy Freiburg choreographiert.


    Regisseurin Sigrun Frisch

    Für Romeo feat. Julia wurden zehn Rollen festgesetzt. Zwei davon, die Amme und Pater Lorenzo, wurden von Erwachsenen gespielt und sollten Shakespeares Text in einer relativ modernen Übersetzung sprechen.
    Der Großteil der Shakespeare-Teile sollte von Jugendlichen gerappt werden. Dabei gingen die Vorstellungen, wie sich das ganze anhören sollte, zwischen Regisseurin und uns weit auseinander. Während die Regisseurin (und viele andere aus dem Team) lange dachten, wir könnten den übersetzten Original-Text lediglich in einen Takt stampfen und den Kindern die Performance dazu beibringen, wollten wir moderne Rapversionen aus den einzelnen Teilgeschichten produzieren. Für uns war klar, dass die Texte geändert werden mussten. Shakespeare (und seine Übersetzter) haben nicht für Rapper geschrieben. Weder die Silbenstruktur noch die Reime noch der Textaufbau eignen sich dafür.


    Robin Haefs (Texte) und Vincent Stein alias Beatzarre (Musik)

    Wir produzierten also einen Beispielsong nach unserem Geschmack mit vager Beibehaltung des Themas, Doppelreimen, Refrain und modernem Wortschatz. Gefiel der Regisseurin kein bisschen. Man muss dazu sagen, dass es mittlerweile Mitte Dezember 2011 war. Der erste Workshop mit den Jugendlichen war für Februar 2012 angesetzt und wir hatten noch keine Einigung über die Songs, dem Herzstück des Projektes. Immerhin mussten noch elf Tracks geschrieben, produziert, aufgenommen und gemischt werden.
    Die Regisseurin verbat sich jede Abweichung von Shakespeares Stück, wir jede Abweichung vom raptypischen Sound. Aber eine Lösung musste her: Zwischen Weihnachten und Neujahr bewegten wir uns ein Stück Richtung Kompromiss und machten der Regisseurin einen neuen Vorschlag. Sie war begeistert. Und ehrlichgesagt sind wir es immernoch, denn wir haben – auch durch den Druck von Sigrun Fritsch – mit den Texten für Romeo feat. Julia etwas vollkommen Neues erschaffen.

    Da die Vorgabe war, das Stück nicht zu ändern, wir aber niemals unrapbare Zeilen rappen würden, baute Robin Haefs in unglaublicher Kleinarbeit Rapversionen, die Shakespeares nicht zu toppenden Inhalt mit authentischer Raptechnik verbinden.
    Um den Sinn nicht zu ändern und trotzdem Flow und gute Reime zu erhalten, mussten mehrere Übersetzungen zu Rate gezogen, massenhaft Synonyme erforscht (die natürlich immer in den altertümlichen Wortschatz passen mussten), Sätze hunderte Male umgebaut und – am allerwichtigsten – erstmal jede Zeile verstanden werden.
    Letzteres gestaltete sich z. B. bei dem berühmten Monolog Mercutios, bei dem er Frau Mab als „der Feenwelt Entbinderin“ beschreibt, als nicht so einfach. Es bedeutet übrigens, dass Frau Mab die Traumwelt gebärt, also Träume erfindet. Im Song heißt es dann „Wunderbar, die Kinderfee/ entlässt ihre Träume auf irdische Seelen“. Während sich Deutschlehrer noch über den unsauberen Reim aufregen, sieht der Rapkenner schon den Doublerhyme. Raptexte lesen geht nicht. Was hierbei nämlich immer fehlt ist der Flow, das wichtigste Element von Rap, das auch unglaublich unsauber erscheinende Reime erlaubt.


    Die Recherche zu den Texten füllte einen ganzen Aktenordner.

    Wo wir bei Frau Mab sind: Der Originaltext ist krass. Shakespeare beschreibt sie als Wesen, das in einer halben Nussschale mit einer Grille als Zugpferd durch unser Nasenloch fährt um uns Träume zu bringen. Kann man nicht besser machen, aber wir können mit Rap den Inhalt durch ganz neue Ebenen unterstützen. Der Flow ist extra monoton und beschwörend, was die Aufzählung der Eigenschaften Frau Mabs unterstreicht. Die einzelne Originalzeile „Frau Mab hat dich nachts im Schlaf besucht“ wurde von uns häufiger, nämlich alle acht Takte eingebaut. Diese Wiederholung verstärkt das Hypnotische in Mercutios Ansprache zu Romeo. Wenn alle acht Takte die gleiche Zeile kommt, muss sich natürlich in jedem siebten Takt ein (Doppel-)Reim darauf finden, dessen Inhalt jedoch durch Shakespeare vorgegeben ist. Viel Spaß beim Nachmachen!

    Ganz anders ist der Flow des ersten Songs des Stückes. Über einen Brachial-Beat erzürnt sich der Prinz über die streitenden Familien. Es geht um den Ausdruck von Wut durch Staccato-Flow und um Hektik, vertont durch Enjabements (Rappen über das Zeilenende hinaus). Die Erschütterung des Prinzen und seine Sprachlosigkeit wird durch Flow-Pausen dargestellt. Diese sind genauso wichtige Bestandteile der Lyrics wie die Wörter.

    Hier könnt ihr unsere Vorversion hören, die später vom Prinzen gerappt wurde:
    [audio:http://rapucation.de/wp-content/uploads/2012/10/rebellenpack.mp3]


    Der Prinz

    Passende Flows waren uns extrem wichtig. Und so finden sich im weiteren Verlauf des Stückes alle erdenklichen Arten dieses stimmungsgebenden Phänomens, das man so schwer erklären kann. Sogar offene Menschen mit kulturellem oder sogar musikalischem Hintergrund, die jedoch nicht mit Rap aufgewachsen sind, können dies oft nicht nachvollziehen.
    Die Variabilität und Reichhaltigkeit von Rap kommt vorallem im letzten Rapsong des Stücks zutage, in dem Julia nach einem nachdenklichen A Capella mit softer ABAB-Struktur zu einem Flow-Massaker wechselt, weil sie meint, wahnsinnig zu werden. Romeo unterbricht nichtsahnend mit einem fröhlichen Lalala-Flow, bis auch er den nahen Tod erkennt und mit einem Doubletime-Inferno seinen Hass herausschreit. Am Ende nimmt er sein Schicksal an, wird langsamer und rappt neben dem Beat. Er hat aufgegeben.

    Romeo feat. Julia ist unseres Wissens das erste Projekt, das Rapflow als konsequentes Stilmittel in einem Theaterstück einsetzt.


    Kelvyn (Romeo) und Robin (Benvolio) auf der Bühne

  • RfJ-Adventskalender (3): Kelvyn

    RfJ-Adventskalender (3): Kelvyn

    Kelvyn, unser Romeo, hat vor unserem Projekt schon jede Menge Musik gemacht, allerdings auf Englisch. Die Sprache war nie das Problem, obwohl er das anfangs vermutete. Problematisch war vielmehr die amerikanische Attitüde, die er beim Rappen an den Tag legte. Klar, sie passt perfekt zu seiner Musik, wie man in folgendem Clip sehen kann:

    [youtube]_g5wIPFq_lI[/youtube]

    Nur wurde die Rolle des Romeo von der Regisseurin Sigrun Fritsch und mir ganz anders charakterisiert: Mehrschichtig, von sensibel über gelassen bis agressiv. Warum haben wir nun Kelvyn als Romeo ausgesucht, obwohl er mit seinen Bewegungen und seinem Rapstil eher an den Prototypen eines amerikanischen Rappers erinnert, als an einen Romeo? Weil wir in Gesprächen andere Eigenschaften in ihm gesehen haben: sensibel, ruhig, höflich. Wir dachten uns, wenn er das im normalen Leben kann, kann er das auch auf der Bühne.

    Hier seht ihr eine Probe aus der Mitte des Projekts, in der ab und zu noch der „American Gangster“, wie er zwischenzeitlich von seinen Mitstreitern genannt wurde, aus dem Romeo herauskommt:

    [youtube]gAKdRMGzLKs[/youtube]

    Es war harte Arbeit, aber wir haben es am Ende zusammen geschafft, alles aus ihm rauszuholen. Wir sind Bewegungen, Zeilen, sogar einzelne Wörter immer wieder durchgegangen, bis wir alle Emotionen von ihm hatten, die wir brauchten. Und am Ende des Stücks durfte er sogar krasser ausrasten, als es jeder amerikanische Gangster-Rapper tun könnte.

    Danke, Kelvyn! Und viel Erfolg mit deiner Musik!

    Wer mehr über Kelvyn erfahren möchte, checkt die Facebook-Seite und den YouTube-Kanal seiner Gang.

  • RfJ-Adventskalender (2): Die Location

    RfJ-Adventskalender (2): Die Location

    Wie ihr durch das obige Timelapse-Video erahnen könnt, stellte der Aufbau der Bühne für die Vorführungen von „Romeo feat. Julia“ einen unglaublichen Aufwand dar. Die Kosten beliefen sich auf mehr als 100.000 €.
    Zusätzlich gab es im Vorfeld immense Schwierigkeiten, ob die „Alte Lokhalle“ überhaupt genutzt werden darf. Die Verantwortlichen klemmten sich aber extrem dahinter, da es weit und breit keinen passenderen Ort gab, in dem das Mammut-Projekt hätte stattfinden können. Schließlich brauchten wir einerseits Platz für 100 Orchestermusiker und 1.000 Zuschauer, die hätten zwar auch ins Konzerthaus Freiburg gepasst, allerdings ist dieses nicht für Theaterstücke konzipiert. Die restlichen Mitwirkenden, die Tänzer, die Amoretten, die Schauspieler und natürlich auch unsere Rapper, hätten es schwer gehabt, bei einem solchen Heimspiel des Orchesters herauszustechen.
    Für dieses einzigartige Projekt musste es bei dieser einzigartige Halle bleiben.

    Wenn ihr noch mehr über die Halle und die Schwierigkeiten, sie nutzen zu dürfen, erfahren wollt, die Badische Zeitung schrieb damals einen Artikel dazu.

    Hier seht ihr noch ein Video der absolut leeren Halle, damals war es schweinekalt und saudreckig. Achtet auf Hani und Billi in der letzten Reihe, wie sie den Tanz kein bißchen draufhaben!

    [youtube]MbxPi1aC4CQ[/youtube]

    Und hier ein Clip von einer Probe in der fertigen Halle:

    [youtube]glg-5NHD8ls[/youtube]

    Und so sah eine Probe in der Halle mit Orchester aus:

    [youtube]p6GhyptDrsg[/youtube]

  • RfJ-Adventskalender (1): Der Vorspann

    RfJ-Adventskalender (1): Der Vorspann

    Die Untermalung des Vorspanns bestand bis kurz vor der endgültigen Abnahme der Folgen durch den SWR lediglich aus Beatzarres Beat. Irgendwas fehlte den Verantwortlichen jedoch und so wurde unser Rapcoach Robin damit beauftragt, auf den fertig geschnittenen Trailer passende Lyrics zu texten. Keine leichte Aufgabe! Texte schreiben mit extrem starrer inhaltlicher Vorgabe, daran ist er spätestens seit den Rapversionen des Shakespeare-Werks gewohnt. Jedoch zusätzlich sekundengenau mit Reimen die fertigen Bilder zu treffen, stellte sogar für ihn eine Herausforderung dar. Ein halber Tag war Zeit: Er hat ihn gut genutzt, wie ihr hören und sehen könnt.

    Lyrics

    Wir haben gesucht und gecastet, Booz ist der Wahnsinn
    Von der Schule zum Star in zwanzig Tagen
    Und Robin hat so einiges an Skillz unterm Cap
    Lennart beweist es sich jetzt
    Sich und der Welt, richtige Helden
    Die coolsten, die besten wie Kelvyn
    Wir stellen sie auf die Probe, immer wieder
    Vorhang auf für Janina
    Wir haben keine Zeit zu verliern
    Bis zum großen Auftritt bleibt nicht mehr viel
    Billi bleibt easy, gechillt und relaxt
    Acht Helden mit dem Herzen am richtigen Fleck
    Sei dabei, wie in kürzester Zeit Anna ihren
    Träumen Flügel verleiht
    Volle Power, 1000 Fans, alles wunderbar
    Gestatten: Hani, Superstar
    Das ist Romeo feat. Julia

  • Romeo feat. Julia zu Weihnachten auf EinsPlus

    Romeo feat. Julia zu Weihnachten auf EinsPlus

    Nachdem die Dokumentation zum großen Rap-Theater-Spektakel „Romeo feat. Julia“ bereits erfolgreich im KIKA gelaufen ist, wird das Ganze jetzt zur Prime Time auf EinsPlus wiederholt. Ab dem 24.12.2012 bekommt ihr jeden Tag um 20:15 Uhr eine Doppelfolge zu sehen. Außerdem gibt es jeweils am Folgetag die Wiederholung um 13:15 Uhr.

    Hier findet ihr alle Sendetermine im Überblick.

    Wie ihr EinsPlus empfangen könnt, erfahrt ihr hier.

  • Romeo feat. Julia: Und jetzt?

    Romeo feat. Julia: Und jetzt?

    Nachdem die beiden Auftritte im Juli ein voller Erfolg waren und auch die begleitende Doku bei euch eingeschlagen hat, stellt ihr zu Recht die Frage, wie und ob es denn weitergeht. Wir können euch nichts genaues sagen, nur soviel: Wir stehen mit allen Beteiligten in Kontakt und setzen alles daran, dass die 20. Folge „Romeo feat. Julia“ Ende Oktober nicht das Letzte war, was ihr von diesem großartigen Projekt mitbekommen habt.

    In der Zwischenzeit werden wir in unseren Archiven kramen und euch im Dezember ein paar exklusive Einblicke hinter die Kulissen präsentieren.

    Bis dahin!

  • Shakespeare in Rap

    Shakespeare in Rap

    Diese Dokumentation lief am 30.09.2012 im SWR. Schön, dass ab 32:53 mal gezeigt wird, dass es durchaus auch Kontroversen gab.

  • Romeo feat. Julia: Morgen geht’s los!

    Romeo feat. Julia: Morgen geht’s los!

    Am 1. Oktober startet die 20-teilige Doku „Romeo feat. Julia“ beim KiKA. Begleitet acht Rapper, ein ganzes Sinfonieorchester und über hundert Tänzer auf ihrem Weg zur großen Aufführung. Robin Haefs von Rapucation ist als Texter und Coach, Vincent Stein ist als Produzent ebenfalls mit dabei. Der SWR schreibt:

    Acht junge Hip-Hopper starten ein ganz besonderes Experiment: Sie werden die größte Love-Story der Weltliteratur auf der Bühne rappen – begleitet vom SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und über 100 TänzerInnen.